Offene Bayerische und Bezirks-Meisterschaften Ski Alpin

Der Blinde schaut mit den Ohren – offene Bayerische und Bezirks-Meisterschaften Ski Alpin

Lohberg.  Auf Höhe der Karlswellen der Weltcupstrecke am Großen Arber war am Samstagvormittag der Start für die offene Bayerische Meisterschaft und Bezirksmeisterschaft Ski alpin, denen sich Behindertensportler aller Altersklassen mit verschiedenen Handicaps aus ganz Bayern stellten. Jedem Zuschauer nötigte die Talfahrt der Athleten durch den Riesenslalom-Tore absoluten Respekt ab.
Der Leiter der Behindertenabteilung des SV Lohberg, Klaus Winkler, knüpfte vor Ort die notwendigen Kontakte, insbesondere mit Wintersport-Spartenchef Adolf Kollmer, der sich um die Rennabwicklung am Bayerwaldkönig kümmerte. Eine günstige Fügung war, dass der Rotary-Club Bayerwald am selben Tag ein Rennen geplant hatte. „Dann lasst es uns gemeinsam tun“, plädierten die Verantwortlichen für eine „fusionierte“ Ausrichtung, die einiges an Arbeitsaufwand sparte. Balsam auf der Seele von Fachwart Alpin Justin Gruber war, dass der Rotary-Club Bayerwald sich bereit erklärte, die Veranstalter der kombinierten Bayerischen- und Bezirksmeisterschaften mit der kompletten Übernahme der Kosten dieses Rennens zu unterstützen. Er war voll des Lobes über diese großzügige Spende an den BVS Bayern („Dies ist absolut nicht alltäglich!“)

Zusammenarbeit geht in Verlängerung

Vorsitzender Anton Wittenzellner bestätigte, dass es dem Rotary-Club Bayerwald Zwiesel ein Anliegen sei, soziale Projekte zu fördern. Deshalb organisieren die Rotarier künftig gemeinsam mit dem BVS die offenen bayerischen Skimeisterschaften und deklarieren diese korrekterweise als Inklusionsveranstaltung . 2018 gehe man voraussichtlich noch einen Schritt weiter und organisiere eine gemeinsame Zusammenkunft in den Abendstunden. „Es war hochinteressant, zu sehen, wie die Atheten mit einer Einschränkung dennoch ihren Sport betreiben“, zog Wittenzellner den Hut vor dieser Willensstärke.
Unter dem Starterfeld waren Erwachsene, Kinder und Jugendliche mit unterschiedlicher körperlicher Einschränkung, so dass sowohl Mono- und Krückenskifahrer, als auch Blinde mit ihrem Guide ins Tal bretterten. „Ein bisschen schade finde ich schon, dass etliche krank wurden und passen mussten. Aber auch grundsätzlich würden wir die Teilnehmerzahl gerne wieder nach oben schrauben“, ließ sich Justin Gruber in die Karten schauen. Leider kommt zu wenig an Skisport begeistertem Nachwuchs nach. „Die Älteren wollen nicht mehr so weit fahren“, weiß der Fachwart. Exemplarisch nannte er eine Gruppe von sieben bis acht Leuten aus Oberbayern, die viele Jahre mit ihren Skibobs präsent waren und mittlerweile eine Lücke hinterlassen.
Bezirksmeisterschaften im Behindertensport werden seit mindestens 25 Jahren ausgetragen. Früher machten sie am Spitzingsee, dann am Unterjoch und zwischendurch im Bayerischen Wald Station. Im Unterjoch logierten sie in einem verbandsinternen Haus. Da es dort heuer mangels Quartiere nicht klappte, besannen sich die Fachwarte wieder auf den Bayerischen Wald und schon war die Sache eingefädelt. Bei den Bezirksmeisterschaften dürfen generell alle ab 30 Prozent Grad der Behinderung starten. Zwei nahezu blinde Buben und ein Erwachsener hatten je einen Guide dabei, der sie per Sprechfunk einwies. „Der Begleiter sagt genau, wie sein Verfolger rund zwei Meter hinter ihm fahren muss“, gab Rolf Kroseberg Auskunft. Er hat das Begleiten von Sehbehinderten vor zwölf Jahren in Österreich erlernt. Eine solche Fortbildung für die Begleitung wird vorausgesetzt. „Die Betroffenen blenden die Tore gedanklich aus, konzentrieren sich nur auf den Vordermann und vertrauen vollends auf die Akustik. Der Blinde schaut mit den Ohren“, erklärte der Fachmann, den es freute, dass Eltern und Kinder total happy waren, dass sie überhaupt Ski fahren können.
Anton Frühholz aus Lengries, der für den Reha-Sportverein Penzberg startete, hat sogar schon an der Deutschen Meisterschaft teil genommen . Er hat sein Bein vor 53 Jahren bei einem Mopedunfall verloren und spielt nebenbei noch Sitzball, das ist Volleyball im Sitzen. „Wir machen nicht nur Skifahren, denn man muss sich ja fit halten. Ich spiele noch in der Nationalmannschaft für Krückenfußballer“, pflichtete ihm Achim Altheimer bei. Er fliegt demnächst nach Polen und dann zur Europameisterschaft in die Türkei. „Es hat hier jeder ein Handicap, mit dem er zurechtkommen muss“, hadern die zwei längst nicht mehr mit dem Schicksal und schätzen den Austausch mit den Sportfreunden.
Der sitzende Monoskifahrer Felix Brunner stand das erste Mal bei einer Bezirksmeisterschaft am Start. „Ich habe mir letztes Jahr beim Europacupfinale im Superski die Schulter gebrochen. Nun muss ich langsam wieder in meine alte Form zurückfinden, erzählte er nach drei Stunden Autofahrt in den Bayerischen Wald und freute sich über die geglückte erste Rennerfahrung nach dem Sturz.
Justin Gruber eröffnete abends im Hotel „Arberblick“ in Lohberg die Siegerehrung mit Medaillenvergabe. Der Rotary-Club entsandte als Zugabe stattliche Windlichter. Gruber zollte allen Respekt für die erbrachte Leistung.

Justin Gruber ehrt Dieter Franik

Folgende Athleten kamen in den Genuss einer Medaille:
Jugend Blind: 1. Samuel Van Melle, 2. Nathan Van Melle
Herren, sitzend: 1. Felix Brunner,
Stehend Jugend LW 2: 1. Christoph Glötzner,
Stehend: Jugend LW 9-1: 1. Stefan Betz.
Herren LW 2: 1. Anton Frühholz, 2. Achim Altheimer.
Herren Allgemeine Behinderung: 1. Dieter Franik, 2. Dieter Rainer, 3. Michael Sieber.
Markus Brennauer Herren Blind: disqualifiziert.

Bericht: Maria Frisch